Die Beerdigung von Dorian Gray war eine seltsame Angelegenheit. Viele Menschen kamen, aber keiner hatte ihn wirklich gekannt. Sie erinnerten sich an sein schönes Gesicht und seine charmanten Manieren. Aber der Körper im Sarg war nicht wiederzuerkennen. Er blieb während der Zeremonie geschlossen. Lord Henry saß in der ersten Reihe, still und nachdenklich. Er erinnerte sich an den jungen Mann, den er zum ersten Mal in Basils Atelier getroffen hatte. So unschuldig, so voller Staunen über die Welt. Hatte sein Einfluss diesen Jungen wirklich zerstört? Oder waren die Samen der Verdorbenheit immer schon da gewesen? Nach der Beerdigung redeten die Leute. Die Gerüchte wurden wilder und fantastischer. Einige sagten, Dorian habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Andere glaubten, das Porträt sei verflucht. Einige wenige flüsterten von schwarzer Magie und alten Ritualen. Das Porträt selbst wurde bei einer Auktion verkauft. Ein wohlhabender Sammler kaufte es für eine große Summe. Er wusste nichts von seiner schrecklichen Geschichte. Er sah nur ein schönes Gemälde eines berühmten Künstlers. Basil Hallwards Meisterwerk, nannten sie es. Der Sammler hängte es in seinem prächtigen Haus auf. Besucher bewunderten den gutaussehenden jungen Mann im Gemälde. 'Wer war er?' fragten sie. 'Ein wohlhabender junger Mann namens Dorian Gray.' 'Er starb jung. Sehr tragisch.' Wenn sie nur die Wahrheit wüssten. Dorian war gar nicht jung gestorben. Er hatte fast vierzig Jahre gelebt. Und in diesen Jahren hatte er schreckliche Dinge getan. Das Porträt bewahrte jetzt seine Geheimnisse. Schön und stumm, enthüllte es nichts. Die Verdorbenheit war ausgelöscht worden. Das Blut an den Händen war verschwunden. Nur das unschuldige Gesicht blieb. Jahre vergingen, und die Geschichte verblasste. Dorian Gray wurde nur noch ein Name aus der Vergangenheit. Lord Henry starb friedlich im Schlaf. Er erzählte niemandem, was er wirklich wusste. Über das Porträt. Über Dorians Geheimnis. Darüber, was passiert, wenn Eitelkeit alles wird. Das Porträt hängt noch heute irgendwo. Vielleicht in einem Museum, vielleicht in einer privaten Sammlung. Menschen bleiben immer noch stehen, um den schönen jungen Mann zu bewundern. Sie kennen seine Geschichte nicht. Sie wissen nicht, was unter der Farbe liegt. Sie sehen nur Schönheit. Und Schönheit, wie die Welt weiß, ist alles. Oder so glaubte Dorian Gray einst. Bevor die Schönheit ihn vollständig zerstörte. Bevor er lernte, dass Jugend vergeht. Dass Vergnügen zu Gift wird. Dass eine Seele nicht ohne einen Preis verkauft werden kann. Seine Geschichte ist eine Warnung für uns alle. Über die Gefahren der Eitelkeit. Über die Verdorbenheit des Einflusses. Über das, was wir für Schönheit opfern. Dorian Gray wollte ewige Jugend. Er bekam genau das, was er sich gewünscht hatte. Und es kostete ihn alles. Seine Menschlichkeit. Sein Gewissen. Seine Seele. Am Ende hatte er nichts mehr. Nichts als ein schönes Gemälde. Und einen Körper, zu schrecklich, um ihn zu zeigen. Manche Wünsche sollten niemals in Erfüllung gehen. Manche Geschäfte sollten niemals gemacht werden. Denn Schönheit ohne Güte ist leer. Und Jugend ohne Weisheit ist gefährlich. Dorian Gray lernte diese Lektionen zu spät. Und bezahlte dafür mit seinem Leben. Mögen wir alle sie früher lernen.
B1Chapter 18 / 20502 words70 sentences
Kapitel 18: Ein Unfall
Chapter 18 · Das Bildnis des Dorian Gray · B1 German. Tip: Click on any word while reading to see its translation. Take your time with each chapter and review the vocabulary before moving on.
Chapter Summary
Während einer Jagdgesellschaft wird ein Mann versehentlich erschossen. Es ist James Vane. Dorian fühlt sich erleichtert, dass sein Verfolger tot ist, aber sein Gewissen plagt ihn.
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Comprehension Questions
4 questions
1
Warum wurde der Sarg während Dorians Beerdigung geschlossen gehalten?
2
Was geschah mit dem Porträt nach Dorians Tod?
3
Woran dachte Lord Henry, als er über Dorians Geschichte nachdachte?
4