Tief im indischen Dschungel lebte ein Wolfsrudel. Eines Nachts kam ein Tiger namens Shir Khan zum Jagen in die Nähe ihrer Höhle. Die Wölfe hörten ein seltsames Geräusch draußen. Vater Wolf ging nachsehen und fand ein winziges Menschenbaby. Das Baby krabbelte auf die Wolfshöhle zu, völlig furchtlos. 'Sieh ihn dir an,' sagte Mutter Wolf sanft, 'er ist so klein und mutig.' Shir Khan erschien am Eingang der Höhle. 'Gebt mir das Menschenjunge,' knurrte der Tiger, 'er gehört mir.' Mutter Wolf stand tapfer ihren Mann. 'Das Menschenjunge wird bei uns bleiben,' erklärte sie, 'und ich werde ihn als mein eigenes aufziehen.' Shir Khan war wütend, aber die Höhle war zu klein für ihn, um einzutreten. 'Ich werde meine Rache bekommen,' drohte er beim Gehen. Die Wölfe nannten das Baby Mogli, was 'kleiner Frosch' bedeutet. Mogli wuchs stark und gesund unter den Wölfen auf. Er lernte die Sprache aller Tiere im Dschungel. Seine besten Freunde waren Balu, ein freundlicher Bär, der ihm das Gesetz des Dschungels beibrachte. Der andere war Baghira, ein kluger schwarzer Panther, der ihn beschützte. 'Denke daran,' sagte Balu immer, 'der Dschungel hat viele Regeln.' 'Wir jagen für Nahrung, nicht zum Vergnügen, und wir töten niemals Menschen.' Mogli hörte all diesen Lektionen aufmerksam zu. Die Jahre vergingen, und Mogli wurde ein starker junger Junge. Aber Shir Khan hatte sein Versprechen auf Rache nicht vergessen. Der Tiger wartete auf den richtigen Moment zum Angriff. Eines Tages warnte Baghira Mogli vor der Gefahr. 'Shir Khan sammelt Verbündete, um dich zu jagen,' sagte der Panther. 'Du musst dich vorbereiten oder den Dschungel für immer verlassen.' Mogli weigerte sich, aus seiner Heimat zu fliehen. 'Ich werde Shir Khan gegenübertreten,' entschied er mutig. Baghira wusste, dass Mogli eine besondere Waffe brauchte. 'Geh zum Menschendorf,' riet der Panther, 'und bring die Rote Blume zurück.' Die Rote Blume war das, was die Tiere Feuer nannten. Alle Tiere fürchteten das Feuer, sogar der mächtige Shir Khan. Mogli schlich sich nachts ins Dorf. Er sah zum ersten Mal Menschen, seit er ein Baby war. Sie sahen für ihn seltsam aus, wie sie auf zwei Beinen gingen und Kleidung trugen. Mogli stahl einen brennenden Ast von einem Lagerfeuer und rannte zurück in den Dschungel. Die Nacht der letzten Schlacht kam. Shir Khan hatte viele Schakale überzeugt, mit ihm zu kämpfen. Das Wolfsrudel stand hinter Mogli, bereit ihn zu beschützen. Balu und Baghira waren auch da, um ihrem Freund zu helfen. Shir Khan erschien aus der Dunkelheit, seine Augen glühten vor Hass. 'Heute Nacht stirbst du, Menschenjunge,' knurrte der Tiger. Mogli hob die brennende Fackel hoch über seinen Kopf. Das Feuer erleuchtete die Dunkelheit um sie herum. Shir Khans Selbstvertrauen verschwand, als er die Flammen sah. Angst flackerte in den Augen des Tigers. 'Du hast Angst vor der Roten Blume,' sagte Mogli ruhig. 'Wie alle Tiere fürchtest du, was du nicht kontrollieren kannst.' Der Tiger versuchte anzugreifen, aber Mogli schwang das Feuer auf ihn zu. Shir Khan sprang voller Schrecken zurück. Die Schakale sahen die Angst ihres Anführers und begannen sich zurückzuziehen. 'Du bist besiegt, Shir Khan,' erklärte Mogli. 'Verlasse diesen Dschungel und kehre niemals zurück.' Der gedemütigte Tiger drehte sich um und rannte in die Dunkelheit. Das Wolfsrudel heulte vor Sieg. Balu umarmte Mogli mit seinen großen Bärenarmen. 'Du hast es gut gemacht, kleiner Bruder,' sagte der Bär stolz. Baghira nickte zufrieden. 'Du hast bewiesen, dass du ein wahres Mitglied unserer Dschungelfamilie bist.' Mutter Wolf kam nach vorne und leckte Moglis Gesicht. 'Mein Sohn,' sagte sie sanft, 'du wirst immer mein kleiner Frosch sein.' Mit den Jahren wuchs Mogli zu einem jungen Mann heran. Er dachte oft an das Menschendorf, das er besucht hatte. Eines Tages traf er eine schöne junge Frau am Fluss. Sie hatte keine Angst vor ihm, obwohl er im Dschungel lebte. Mogli fühlte zum ersten Mal eine Verbindung zur Menschenwelt. Er wusste, dass er eines Tages zwischen zwei Welten wählen müsste. Aber vorerst war er glücklich, mit seiner Dschungelfamilie zu leben. Die Wölfe, der Bär und der Panther würden immer seine wahre Familie sein. Und so lebte das Menschenjunge des Dschungels glücklich, zugehörig zu beiden Welten.