Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin, die gerne mit ihrer goldenen Kugel spielte. Die Kugel war ihr Lieblingsspielzeug im ganzen Königreich. Jeden Tag ging sie in den Wald nahe dem Schloss, um zu spielen. Es gab einen tiefen Brunnen bei einer alten Eiche, wo sie gerne saß. An einem sonnigen Nachmittag warf sie ihre Kugel hoch in die Luft. Aber sie warf sie zu hoch und sie fiel in den tiefen Brunnen. Die Prinzessin schaute in den Brunnen hinunter, aber sie konnte ihre Kugel nicht sehen. Sie begann zu weinen, weil sie dachte, ihre kostbare Kugel sei für immer verloren. Plötzlich erschien ein Frosch am Rand des Brunnens. Der Frosch fragte sie, warum sie so traurig weinte. Die Prinzessin erklärte, dass ihre goldene Kugel in den Brunnen gefallen war. Der Frosch sagte, dass er sie für sie zurückholen könne. Aber er wollte etwas dafür. Er bat darum, ihr Freund zu werden und mit ihr im Schloss zu leben. Er wollte von ihrem Teller essen und in ihrem Bett schlafen. Die Prinzessin stimmte schnell zu und dachte, der Frosch würde den Brunnen niemals verlassen. Der Frosch tauchte ins Wasser und kam bald mit der goldenen Kugel zurück. Die Prinzessin freute sich so sehr, dass sie die Kugel schnappte und wegrannte. Sie vergaß völlig ihr Versprechen an den Frosch. Am nächsten Abend klopfte es an der Schlosstür. Der König fragte seine Tochter, wer an der Tür sei. Die Prinzessin öffnete sie und sah den Frosch dort sitzen. Sie war erschrocken und schloss schnell die Tür. Der König bemerkte ihr seltsames Verhalten und fragte, was los sei. Die Prinzessin musste ihrem Vater von dem Versprechen erzählen, das sie gegeben hatte. Der König war ein weiser Mann, der daran glaubte, Versprechen zu halten. Er sagte seiner Tochter, dass sie ihr Wort halten müsse. Die Prinzessin war unglücklich, aber sie musste den Frosch hereinlassen. Der Frosch hüpfte auf den Tisch, an dem die königliche Familie aß. Er bat die Prinzessin, ihn hochzuheben, damit er mit ihr essen konnte. Die Prinzessin wollte den schleimigen Frosch nicht anfassen. Aber ihr Vater warf ihr einen strengen Blick zu, also hob sie ihn hoch. Der Frosch aß fröhlich von ihrem goldenen Teller. Nach dem Abendessen sagte der Frosch, er sei müde und wolle schlafen. Er erinnerte die Prinzessin an ihr Versprechen, ihn in ihrem Bett schlafen zu lassen. Die Prinzessin fand die Idee eklig. Sie wollte keinen kalten, nassen Frosch in ihrem schönen Bett. Der König sagte ihr, sie müsse ihr Versprechen halten, egal was passiere. Die Prinzessin trug den Frosch mit Tränen in den Augen in ihr Zimmer. Sie legte ihn in die Ecke ihres Zimmers statt in ihr Bett. Der Frosch war traurig und bat sie, ihn auf das weiche Kissen zu legen. Die Prinzessin wurde sehr wütend auf den fordernden Frosch. In ihrer Frustration hob sie ihn hoch und warf ihn gegen die Wand. Doch anstatt die Wand zu treffen, geschah etwas Magisches. Der Frosch verwandelte sich in einen gutaussehenden jungen Prinzen. Er erklärte, dass ihn eine böse Hexe in einen Frosch verwandelt hatte. Nur eine Prinzessin, die ihn im Schloss essen und schlafen ließ, konnte den Zauber brechen. Die Prinzessin war erstaunt und bereute, so gemein gewesen zu sein. Der Prinz vergab ihr, weil sie ihm geholfen hatte, ohne es zu wissen. Sie redeten stundenlang und entdeckten, dass sie viele Gemeinsamkeiten hatten. Der Prinz hielt um ihre Hand an, und sie stimmte freudig zu. Am nächsten Tag kam eine wunderschöne Kutsche aus dem Königreich des Prinzen. Die Kutsche wurde von acht weißen Pferden mit goldenem Geschirr gezogen. Dahinter stand Heinrich, der treueste Diener des Prinzen. Heinrich war so traurig gewesen, als sein Herr verzaubert wurde, dass eiserne Bänder um sein Herz gelegt wurden, damit es nicht zerbrach. Als der Prinz und die Prinzessin in die Kutsche stiegen, hörten sie ein lautes Knacken. Der Prinz fragte, was dieses Geräusch sei. Heinrich erklärte, dass eines der eisernen Bänder um sein Herz gebrochen war. Sein Glück war so groß, dass die Bänder nicht mehr halten konnten. Während der Heimreise hörten sie noch zwei weitere Knackgeräusche. Alle drei eisernen Bänder waren endlich gebrochen, weil Heinrichs Herz voller Freude war. Der Prinz und die Prinzessin lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage in seinem Königreich. Und Heinrich diente ihnen treu bis ans Ende seiner Tage.