Und so endet die Geschichte von Dorian Gray. Ein junger Mann, gesegnet mit außergewöhnlicher Schönheit. Der seine Seele gegen ewige Jugend eintauschte. Und dabei alles verlor. Welche Lektionen können wir aus seiner Tragödie lernen? Vielleicht, dass Schönheit ohne Tugend nichts ist. Vielleicht, dass Einfluss sowohl verderben als auch inspirieren kann. Vielleicht, dass manche Wünsche niemals in Erfüllung gehen sollten. Lord Henry pflanzte die Samen der Zerstörung. Er sagte Dorian, dass Jugend und Schönheit alles seien. Dass Vergnügen das einzige Ziel sei, das es wert sei, verfolgt zu werden. Dass Moral für langweilige Menschen sei. Dorian glaubte ihm vollkommen. Und baute sein Leben auf diesen vergifteten Fundamenten auf. Basil Hallward versuchte, ihn zu retten. Er sah die Güte in Dorians jungem Gesicht. Er malte Schönheit und Unschuld. Aber er konnte Dorian kein Gewissen malen. Das Porträt zeigte alles, was Dorian verbarg. Jede Sünde, jede Lüge, jede Grausamkeit. Es war ein Spiegel seiner Seele. Und am Ende zerstörte es ihn. Sibyl Vane liebte rein und vollkommen. Ihre Liebe war echt, nicht gespielt. Und deshalb konnte sie nicht mehr schauspielern. Echte Liebe machte falsche Liebe unmöglich. Dorian bestrafte sie dafür, dass sie ihn zu sehr liebte. Er wollte Kunst, nicht Wahrheit. Vorstellung, nicht echte Gefühle. Dies war seine erste große Grausamkeit. Aber nicht seine letzte. Die Jahre, die folgten, waren voller Dunkelheit. Dorian verderbte jeden, den er berührte. Er hinterließ eine Spur zerstörter Leben. Und die ganze Zeit blieb sein Gesicht jung. Sein Lächeln blieb unschuldig. Nur das Porträt kannte die Wahrheit. Weggesperrt in jenem staubigen Zimmer. Von Jahr zu Jahr schrecklicher werdend. Jede böse Tat aufzeichnend. Am Ende versuchte Dorian, seine Vergangenheit zu zerstören. Er stach mit einem Messer auf das Porträt ein. Dasselbe Messer, das Basil getötet hatte. Aber man kann seine Seele nicht zerstören. Man kann seinem Gewissen nicht entkommen. Als er das Porträt angriff, griff er sich selbst an. Der Zauber brach. Das Porträt wurde wieder schön. Und Dorian wurde, was er wirklich war. Ein altes, boshaftes, verdorrtes Wesen. Dies ist das Bildnis des Dorian Gray. Nicht das schöne Gemälde an der Wand. Sondern die hässliche Wahrheit unter der Oberfläche. Das Porträt zeigte, was Schönheit kostet. Was Vergnügen der Seele nimmt. Was wir werden, wenn wir ohne Gewissen leben. Wir alle haben Porträts von uns selbst. Versteckt, wo niemand sie sieht. Sie zeigen unsere wahren Gesichter. Unser wahres Ich, ohne Masken. Wie sehen unsere Porträts aus? Sind sie schön oder abscheulich? Nur wir kennen die Antwort. Und vielleicht ist das der wahre Schrecken. Nicht das, was andere sehen. Sondern das, was wir über uns selbst wissen. In den verschlossenen Zimmern unserer Herzen. Wo unsere eigenen Porträts hängen. Beobachtend. Wartend. Alles aufzeichnend. Ende.
B1Chapter 20 / 20443 words70 sentences
Kapitel 20: Das Ende
Chapter 20 · Das Bildnis des Dorian Gray · B1 German. Tip: Click on any word while reading to see its translation. Take your time with each chapter and review the vocabulary before moving on.
Chapter Summary
Dorian beschließt, das Porträt mit demselben Messer zu zerstören, mit dem er Basil getötet hat. Als die Diener die Tür aufbrechen, finden sie einen schrecklichen alten Mann tot auf dem Boden. Das Porträt ist wieder schön.
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Comprehension Questions
4 questions
1
Laut dem Kapitel, welche Philosophie lehrte Lord Henry Dorian?
2
Was stellte das Porträt laut diesem letzten Kapitel dar?
3
Was geschah, als Dorian das Porträt mit einem Messer angriff?
4