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Das Bildnis des Dorian Gray
B1Chapter 10 / 20535 words70 sentences

Kapitel 10: Das gelbe Buch

Chapter 10 · Das Bildnis des Dorian Gray · B1 German. Tip: Click on any word while reading to see its translation. Take your time with each chapter and review the vocabulary before moving on.

Chapter Summary

Lord Henry gibt Dorian ein seltsames gelbes Buch über einen jungen Pariser, der Schönheit und Vergnügen nachstrebt. Das Buch fasziniert und verdirbt Dorian.

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Jahrelang konnte Dorian sich nicht von dem gelben Buch befreien. Er las es immer und immer wieder. Er kaufte neun Exemplare in verschiedenen Farben. Der Held des Buches wurde wie ein zweites Ich für ihn. Oder vielleicht war Dorian der Held, zum Leben erwacht. Wie die Figur im Buch begann Dorian zu sammeln. Er sammelte seltene Parfüms aus aller Welt. Er studierte die Geheimnisse ihrer Herstellung. Er sammelte Juwelen aus jedem Land. Rubine, Smaragde, Diamanten und Saphire. Er sammelte seltene Stoffe und Wandteppiche. Seide aus China, Samt aus Venedig. Er verbrachte Stunden damit, Musik auf seinem Flügel zu spielen. Er studierte Architektur und antike Geschichte. Er reiste an exotische Orte auf der Suche nach neuen Empfindungen. Aber er suchte auch dunklere Vergnügen. Er besuchte nachts seltsame Orte. Er verkehrte mit Verbrechern und Ausgestoßenen. Gerüchte begannen sich über Dorian Gray zu verbreiten. Die Leute flüsterten über sein geheimes Leben. Junge Männer, die ihn kannten, gingen zugrunde. Frauen, die ihn liebten, endeten in Schande. Aber niemand konnte ihm etwas nachweisen. Sein Gesicht blieb so unschuldig wie eh und je. Jahre vergingen, aber Dorian alterte nicht. Mit achtunddreißig sah er genauso aus wie mit zwanzig. Seine Schönheit blieb vollkommen, unberührt von der Zeit. Die Gesellschaft hieß ihn überall willkommen. Wie konnte jemand so Schönes böse sein? Die Gerüchte mussten Lügen sein, dachten sie. Aber Dorian kannte die Wahrheit. Alle paar Wochen stieg er zu dem verschlossenen Zimmer hinauf. Er betrachtete das Porträt und sah die Veränderungen. Das Gesicht im Gemälde wurde älter und hässlicher. Linien der Grausamkeit zeichneten den einst schönen Mund. Die Augen wurden härter und verschlagener. Manchmal empfand Dorian Entsetzen über das, was er sah. Andere Male empfand er einen schrecklichen Stolz. Er war dem Gefängnis des Alters und der Konsequenzen entkommen. Das Porträt bezahlte den Preis für seine Sünden. Er stand vor dem Spiegel in seinem Schlafzimmer. Er verglich sein Spiegelbild mit dem Porträt. Im Spiegel sah er ewige Jugend. Im Porträt sah er den Tod seiner Seele. Der Kontrast faszinierte ihn. Er verliebte sich immer mehr in seine eigene Schönheit. Und war immer faszinierter von der Verderbnis im Gemälde. War es Sünde oder Gewissen, das das Porträt veränderte? Er wusste es nicht, und es kümmerte ihn nicht. Er wusste nur, dass er frei war. Eines Abends, als er sich für das Dinner umzog, dachte er an Basil. Er hatte den Künstler seit vielen Monaten nicht gesehen. Basil war wegen der Gerüchte besorgt geworden. Er hatte begonnen, Dorian zu meiden. Aber Lord Henry blieb ein beständiger Freund. Er ermutigte Dorian in allem, was er tat. 'Der einzige Weg, der Versuchung zu widerstehen, ist, ihr nachzugeben,' pflegte Harry zu sagen. Und Dorian gab jeder Versuchung nach. Achtzehn Jahre waren seit Sibyls Tod vergangen. Dorian Gray war nun achtunddreißig Jahre alt. Aber er sah keinen Tag älter als zwanzig aus. Seine Augen waren so klar wie eh und je. Sein Haar glänzte noch immer wie Gold. Seine Lippen waren noch immer rot und weich. Nur das Porträt wusste, was er wirklich war. Weggesperrt in dem staubigen Zimmer. Es zeigte ein Gesicht des Schreckens und des Verfalls. Das Gesicht eines Monsters, das sich als Mensch ausgab. Aber solange niemand es sah. Dorian Gray konnte seine schöne Lüge fortsetzen.

Comprehension Questions

4 questions

1

Was beginnt Dorian zu sammeln, inspiriert vom gelben Buch?

2

Warum akzeptiert die Gesellschaft Dorian trotz der dunklen Gerüchte über ihn weiterhin?

3

Was sieht Dorian, wenn er das Porträt im verschlossenen Zimmer besucht?

4

Wie fühlt sich Dorian angesichts des Kontrasts zwischen seinem Spiegelbild und dem Porträt?

Vocabulary

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