Das Wetter war ruhig und schön, als wir von Hull aus in See stachen. Ich stand an Deck und sah zu, wie die Küste Englands hinter uns verschwand. Mein Freund führte mich auf dem Schiff herum und stellte mich den Matrosen vor. Es waren raue Männer mit wettergegerbten Gesichtern und starken Händen. Ich versuchte, ihnen bei ihrer Arbeit zu helfen, begierig, das Seemannsleben zu erlernen. Der Kapitän, der Vater meines Freundes, war ein freundlicher Mann, der mich gut behandelte. Er brachte mir bei, den Wind zu lesen und die Bewegung der Wellen zu verstehen. Alles war perfekt, und ich glaubte, mein Abenteuer hatte nun wirklich begonnen. Aber am sechsten Tag unserer Reise änderte sich alles. Dunkle Wolken sammelten sich am Horizont, und der Wind begann stärker zu wehen. Die erfahrenen Matrosen sahen besorgt aus, während sie den Himmel beobachteten. 'Ein Sturm kommt', verkündete der Kapitän der Mannschaft. Die Männer eilten, um die Seile zu sichern und die Segel einzuholen. Ich hatte solche Betriebsamkeit und Dringlichkeit noch nie zuvor gesehen. Innerhalb einer Stunde war der Sturm mit schrecklicher Wut über uns. Die Wellen stiegen höher, als ich es je für möglich gehalten hatte. Das Schiff wurde herumgeworfen wie ein kleines Spielzeug in der Badewanne eines Kindes. Ich hielt mich mit aller Kraft am Geländer fest, aus Angst zu fallen. Der Regen strömte so heftig herab, dass ich kaum das Deck sehen konnte. Blitze zuckten über den Himmel, gefolgt von ohrenbetäubendem Donner. Ich hatte mehr Angst als jemals zuvor in meinem Leben. Die Warnungen meines Vaters hallten in meinem Kopf wider, während das Schiff heftig schwankte. Ich machte Gott Versprechen, dass ich, wenn ich überleben sollte, sofort nach Hause zurückkehren würde. Ich schwor, dass ich nie wieder einen Fuß auf ein Schiff setzen würde. Ich versprach, ein guter Sohn zu sein und dem Rat meines Vaters zu folgen. Der Sturm tobte die ganze Nacht hindurch und bis in den nächsten Tag. Mehrmals dachte ich, wir würden sicherlich sinken und ertrinken. Wasser strömte in das Schiff, und die Matrosen arbeiteten verzweifelt, um es herauszupumpen. Ich war zu krank und verängstigt, um ihnen zu helfen. Ich lag in meiner Kajüte und betete, dass der Albtraum enden möge. Endlich, am dritten Tag, begannen die Winde sich zu beruhigen. Die Wellen wurden kleiner, und der Regen hörte auf zu fallen. Ich kam an Deck und sah blauen Himmel durch die Wolken erscheinen. Die Matrosen jubelten und lachten vor Erleichterung. Mein Freund kam mit einem Lächeln im Gesicht zu mir. 'Das war nichts', sagte er. 'Nur ein kleiner Windstoß.' Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte. 'Willst du damit sagen, dass Stürme schlimmer sein können als dieser?' fragte ich. Er lachte und nickte mit dem Kopf. 'Viel schlimmer', sagte er. 'Du wirst es sehen, wenn du weiter segelst.' An diesem Abend lud mich der Kapitän ein, mit ihm zu speisen. Wir tranken Wein und aßen frischen Fisch, den die Matrosen gefangen hatten. Der Schrecken des Sturms schien bereits wie eine ferne Erinnerung. Meine Versprechen an Gott und meinen Vater begannen aus meinem Gedächtnis zu verblassen. Ich begann, mich für meine Angst während des Sturms zu schämen. Die anderen Matrosen hatten nicht so viel Angst gehabt wie ich. Vielleicht könnte ich mit mehr Erfahrung so mutig werden wie sie. Die nächsten Tage waren angenehm und friedlich. Das Meer war ruhig, und der Wind füllte unsere Segel perfekt. Ich verbrachte meine Zeit damit, Knoten zu lernen und bei einfachen Aufgaben zu helfen. Ich begann, das Leben eines Seemanns zu lieben. Aber das Schicksal hatte noch nicht aufgehört, mich zu prüfen. Als wir nahe der Mündung der Themse waren, kam ein weiterer Sturm. Dieser Sturm war noch heftiger als der erste. Die Winde heulten wie wilde Tiere um das Schiff. Selbst die erfahrenen Matrosen sahen diesmal wirklich verängstigt aus. Der Kapitän befahl allen, das Schiff zu verlassen. Wir kletterten in ein kleines Boot, gerade als das Schiff zu sinken begann. Die Wellen hätten unser kleines Boot mehrmals fast zum Kentern gebracht. Wir ruderten mit aller Kraft auf das Ufer zu. Irgendwie schafften wir es lebend an den Strand. Wir lagen auf dem Sand, erschöpft aber dankbar, am Leben zu sein. Das Schiff und seine gesamte Ladung gingen im zornigen Meer verloren. Der Kapitän hatte alles verloren, was er besaß. Mein Freund sah mich mit ernsten Augen an. 'Du solltest nach Hause zu deinem Vater gehen', sagte er. 'Das Meer will dich nicht. Das ist ein Zeichen.' Ich wusste, dass er recht hatte, aber ich war zu stolz, es zuzugeben. Anstatt nach Hause zu gehen, beschloss ich, nach London weiterzureisen. Ich war entschlossen, ein anderes Schiff zu finden und meinen Träumen vom Meer nachzujagen.
B1Chapter 2 / 15774 words70 sentences
Die erste Reise
Chapter 2 · Robinson Crusoe · B1 German. Tip: Click on any word while reading to see its translation. Take your time with each chapter and review the vocabulary before moving on.
Chapter Summary
Robinsons erste Seereise endet in einem schrecklichen Sturm.
1 / 70
🇩🇪Deutsch→🇬🇧English
Linked wordUnderlined wordOther words
Comprehension Questions
4 questions
1
Was versprach Robinson während des ersten Sturms zu tun?
2
Wie reagierte Robinson nach dem Ende des ersten Sturms?
3
Was geschah mit dem Schiff während des zweiten Sturms?
4