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Robinson Crusoe
B1Chapter 1 / 15845 words70 sentences

Der Wanderer

Chapter 1 · Robinson Crusoe · B1 German. Tip: Click on any word while reading to see its translation. Take your time with each chapter and review the vocabulary before moving on.

Chapter Summary

Der junge Robinson Crusoe träumt vom Meer trotz der Warnungen seines Vaters.

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Mein Name ist Robinson Crusoe, und ich wurde im Jahr 1632 in der Stadt York, England, geboren. Mein Vater war ein Kaufmann aus Deutschland, der sich viele Jahre zuvor in England niedergelassen hatte. Ich war der jüngste von drei Söhnen, und meine Eltern hatten große Hoffnungen für meine Zukunft. Mein Vater wollte, dass ich Jura studiere und ein angesehener Herr werde. Er träumte davon, mich als Richter oder Anwalt mit einem angenehmen Leben zu sehen. Aber ich hatte andere Träume, die meinen Kopf Tag und Nacht füllten. Von meinen frühesten Jahren an konnte ich an nichts anderes denken als an das Meer. Ich verbrachte Stunden im Hafen und beobachtete die großen Schiffe, die kamen und gingen. Die Seeleute erzählten mir Geschichten von fernen Ländern und gefährlichen Abenteuern. Ich hörte mit Staunen Geschichten von Stürmen, Piraten und unentdeckten Inseln. Diese Geschichten fesselten meine Fantasie und ließen mich nicht ruhen. Mein Herz brannte vor Verlangen, die Welt selbst zu sehen. Als ich achtzehn Jahre alt war, erzählte ich meinem Vater von meinen Wünschen. 'Vater', sagte ich, 'ich möchte zur See fahren und Seemann werden.' Sein Gesicht wurde blass, und ich sah Angst in seinen Augen. 'Mein Sohn', sagte er, 'du darfst nicht an solche Dinge denken.' Er erinnerte mich daran, dass mein ältester Bruder in einem Krieg weit von zu Hause gestorben war. Mein anderer Bruder hatte vor Jahren das Haus verlassen, und wir hörten nie wieder von ihm. 'Du bist der einzige Sohn, der mir geblieben ist', sagte mein Vater mit Tränen in den Augen. 'Das Meer ist voller Gefahren, die du dir nicht vorstellen kannst.' Er sprach von schrecklichen Stürmen, die jedes Schiff zerstören könnten. Er erzählte mir von Piraten, die ihren Opfern keine Gnade zeigten. Er beschrieb Krankheiten, die Seeleute weit entfernt von jedem Arzt töteten. 'Bleib hier in York', flehte er mich an, 'und lebe ein sicheres und glückliches Leben.' Meine Mutter versuchte auch, mich mit ihren sanften Worten umzustimmen. 'Denk an deine armen Eltern', sagte sie, 'die dich mehr als alles andere lieben.' Sie versprach, mit meinem Vater darüber zu sprechen, mir eine gute Stellung im Geschäft zu finden. Aber nichts, was sie sagten, konnte die Sehnsucht aus meinem Herzen vertreiben. Ich träumte jede einzelne Nacht weiter vom Meer. In meinen Träumen segelte ich über endlose blaue Gewässer unter klarem Himmel. Ich entdeckte Inseln, die mit Palmen und goldenen Stränden bedeckt waren. Ich fand Schätze, die mich unvorstellbar reich machten. Fast ein Jahr lang blieb ich zu Hause, aber ich war nicht zufrieden. Ich stritt oft mit meinen Eltern über meine Zukunft. Eines Tages rief mich mein Vater in sein Arbeitszimmer für ein ernstes Gespräch. Er setzte mich hin und sah mich mit großer Sorge an. 'Robinson', sagte er, 'ich möchte dir einige Ratschläge fürs Leben geben.' 'Der mittlere Stand des Lebens ist die beste Position für jeden Mann.' Er erklärte, dass die Reichen viele Sorgen und Feinde haben. Die Armen leiden jeden Tag ihres Lebens unter Hunger und Kälte. Aber die in der Mitte genießen Frieden, Komfort und einfache Freuden. 'Abenteuer klingt aufregend', sagte mein Vater, 'aber es bringt nur Elend.' 'Versprich mir, dass du hier bleibst und mit dem zufrieden bist, was du hast.' Ich hörte seinen Worten zu, und sie bewegten mich tief. Einige Tage lang erwog ich ernsthaft, seinem Rat zu folgen. Vielleicht hatte er recht, und das Meer würde mir nur Leid bringen. Aber bald kehrten meine alten Sehnsüchte stärker als je zuvor zurück. Ich beschloss, dass ich zur See fahren musste, was auch immer es kosten mochte. Im September 1651 besuchte ich einen Freund in der Hafenstadt Hull. Sein Vater war der Kapitän eines Schiffes, das nach London segelte. Mein Freund lud mich ein, sie auf der Reise zu begleiten. 'Es wird dich nichts kosten', sagte er, 'und es wird ein großes Abenteuer sein.' Ohne meinen Eltern etwas zu sagen oder um ihren Segen zu bitten, stimmte ich zu. Ich schrieb ihnen nicht einmal einen Brief, um meine Entscheidung zu erklären. Am ersten Tag des Septembers betrat ich das Schiff. Mein Herz war voller Aufregung, als ich auf das offene Meer blickte. Ich hatte keine Ahnung, dass dieser Moment mein Leben für immer verändern würde. Ich wusste nicht, welche Gefahren und Entbehrungen auf mich warteten. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass alle Warnungen meines Vaters wahr werden würden. Aber an diesem sonnigen Morgen fühlte ich nur Freude und Hoffnung. Als das Schiff den Hafen verließ, sah ich zu, wie das Land kleiner wurde. Ich dachte nicht an meine Mutter, die weinen würde, wenn sie merkte, dass ich fort war. Ich dachte nicht an meinen Vater, dessen Herz ich gebrochen hatte. Ich dachte nur an das Abenteuer, das vor mir lag. Der Wind füllte die Segel, und das Schiff bewegte sich schnell über das Wasser. Ich stand an Deck und atmete die salzige Luft tief ein. In diesem Moment glaubte ich, der glücklichste junge Mann in England zu sein. Mein lang ersehnter Traum hatte endlich begonnen. Ich wusste nicht, dass Ärger nur Stunden entfernt war. Aber vorerst war ich frei, und die ganze Welt lag vor mir.

Comprehension Questions

4 questions

1

Wo wurde Robinson Crusoe geboren?

2

Welchen Beruf wollte Robinsons Vater, dass er ergreifen sollte?

3

Warum flehte Robinsons Vater ihn an, nicht zur See zu fahren?

4

Was verrät Robinsons Abreise über seinen Charakter?

Vocabulary

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